2017 02 Fachtag Schule der Vielfalt 172Lamya Kaddor, Referentin zur „Integration von Religion in Schule am Beispiel des islamischen Religionsunterrichts“Fachtag 2017 des Antidiskriminierungsnetzwerks Schule der Vielfalt

[PM/red.] Am 1. Februar 2017 fand in Köln der NRW-Fachtag des Anti­­dis­­kri­mi­­nie­rungs­­netz­­werks Schule der Vielfalt statt. Sein Thema war „Religion und LSBTI*Q-Akzeptanz an Schulen“. Vor dem Hintergrund einer heterogenen Schülerschaft sind Lehrkräfte gefordert, die kulturelle und soziale Vielfalt in der Schule als Chance zu nutzen. Zu dieser Vielfalt gehören Unterschiede in Bezug auf die sexuelle und geschlechtliche Identität, wie auch von religiösen und nicht-religiösen Weltanschauungen. 

Dass dies für Schule ein wichtiges Thema ist zeigte sich daran, dass der Fachtag nach kurzer Zeit komplett ausgebucht war und es eine lange Warteliste von Interessierten gab. „Für viele Lehrkräfte ist das Thema "Religiosität" an Schulen im Zusammenhang mit Lesben, Schwulen, Bi-, Trans-, Intersexuellen und queeren Menschen eine Herausforderung“, erklärte Frank G. Pohl, der Landeskoordinator von Schule der Vielfalt.

2017 02 Fachtag Schule der Vielfalt 1Referent_innen und Gäste des Fachtags von Schule der Vielfalt (v.l.n.r.): Arndt Klocke (MdL), Dr. Patrick Diemling (Moderator), Lamya Kaddor (Referentin), Markus Chmielorz (Rosa Strippe), Benjamin Kinkel (SCHLAU NRW), Prof. Monika Barz (Referentin), Andreas Wolter (Bürgermeister Stadt Köln), Sylvia Löhrmann (Ministerin für Schule und Weiterbildung NRW), Frank G. Pohl (Landeskoordinator Schule der Vielfalt), Ulla Breuer (rubicon), Dr. Heidi Scheffel (Bezirksregierung Köln)Den Einstieg machte die bekannte Buchautorin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Kaddor, die mit ihren Büchern „Die Zerreißprobe“ und „Muslimisch, weiblich, deutsch“ in der Öffentlichkeit für Furore gesorgt hat, berichtete über die konkreten Fragen, die Schüler_innen ihr im Unterricht zu LSBTI*Q stellten. Lamya Kaddor ist es wichtig, Stereotypisierungen entgegen zu wirken, bei denen man ganzen „Gruppen“ – wie muslimischen oder auch queeren Jugendlichen  –  bestimmte Eigenschaften zuordnet. Einer Offenheit im islamischen Unterricht komme große Bedeutung beim Engagement gegen Diskriminierung zu. Gerade wenn man sich auf heilige Schriften berufe, könne man an Textpassagen aufzeigen, dass Minderheiten zu schützen sind.

2017 02 Fachtag Schule der Vielfalt 44Frank G. Pohl, Landeskoordinator Schule der Vielfalt (NRW-Fachberatungsstelle)Beim anschließenden World-Café berichtete Aaron Knappstein vom schwierigen "doppelten Coming-out" als Homosexuelle_r und als Jüdin bzw. Jude an deutschen Schulen. Über die Konfessionen hinaus blickte Prof. Monika Barz mit den teilnehmenden Lehrkräften und Schulsozialarbeiter_innen auf die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechtervorstellungen (Doing Gender). Und am World-Café-Tisch von Dr. Michael Brinkschröder, einem Vertreter der Emanzipationsgruppe HUK (Homosexuelle und Kirche), wurde die Bewegungsrichtung der Kirche zur verstärkten Seelsorge statt Moralvorgaben diskutiert.

Die Ergebnisse der Tagung werden den Schulen in einem Veranstaltungsbericht zur Verfügung gestellt.

 

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