Der Aufforderung „Cherchez la femme“ wird manche Frau mit (lesbischen) Vergnügen Folge leisten. Ist aber eine Femme (mit großem „F“) in Sichtweite, werden die Blicke oft eher abschätzig als begehrlich, wird die Frage hörbar: „Was will die denn hier?“  Höchste Zeit also, mit Klischees und Vorurteilen aufzuräumen.
Und genau diese Aufgabe haben Sabine Fuchs als Herausgeberin und ihre MitstreiterInnen in Angriff genommen; ihre Resultate präsentieren sie in „Femme! radikal - queer - feminin“.

An zu widerlegenden Unterstellungen herrscht kein Mangel: Aufgrund ihres betont weiblichen äußeren Erscheinungsbildes werden sie oftmals für heterosexuell gehalten; als Femme erkannt zu werden, schließt noch lange keine Anerkennung ein. Sie werden als oberflächlich, schwach, passiv und unemanzipiert belächelt oder abgewertet; wegen ihres häufig (aber nicht zwingend) auf Butches und Transmänner gerichteten Begehrens wird ihnen eine unreflektierte Übernahme tradierter Rollenverteilungen vorgeworfen. Diesen und anderen (Fehl-)Annahmen treten die AutorInnen entschieden mit überwiegend wissenschaftlicher Argumentation entgegen und zeigen selbstdefinierte Femmes aus einem ganz anderen Blickwinkel, nämlich als kluge, selbstbewusste, gewollt unangepasste, queer-politisch hochmotiviert-engagierte starke Persönlichkeiten.

Ferner beschäftigen sich die Artikel mit dem Wandel im Verständnis von Feminismus, der Untersuchung von Macht- und Hierarchiestrukturen - auch im Sexualleben -, Parallelen zu  Mata Hari u.v.a.m. . Ein umfassendes Literaturverzeichnis schließt das inhaltsschwere, fußnotenreiche Werk, das ich fast ein Kompendium nennen möchte, ab.

Die Beschäftigung mit Sach- und Fachtexten erfordert „naturgemäß“ eine erhöhte Aufmerksamkeit und Ausdauer; das werden auch „Femme!“-LeserInnen schnell bestätigen können, insbesondere diejenigen, welche nicht über ein ausgeprägtes Interesse an quer-theoretischen Analysen und Erörterungen verfügen – sie werden die Lektüre über weite Strecken nicht zuletzt wegen der immensen Bedeutung, die Definitionsfragen zugemessen wird, als an-streng-end empfinden. Wer sich dagegen von Gender-Studien angesprochen fühlt, findet hier einen reichhaltigen Fundus an neuen und/oder wichtigen Aspekten für eine fem(me)inistische Fortführung der Geschlechter-Debatte vor.


bestellen... Femme! radikal – queer – feminin , Hg.: Sabine Fuchs, Querverlag, 2009

 

 

 

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