LSBTI-Geschichte entdeckenWege zur Identifizierung und Nutzung von relevanten Quellenbeständen Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1970er-Jahre von Dr. Christiane Leidinger

Die Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) ist von Verfolgung und Verschweigen geprägt. Dokumente von Selbstbestimmung und Emanzipation sind nur schwer zu finden. Wegen der Zensur wurden zum Beispiel Codes wie die Abbildung eines Kreises und Begriffe wie „Freundschaft“ als Erkennungszeichen genutzt.

Die Landesantidiskriminierungsstelle der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung in Berlin hat einen Leitfaden für staatliche und andere Archive und Bibliotheken veröffentlicht.

Die zeitlichen und staatlichen Schwerpunkte dieser Handreichung liegen auf dem Deutschen Kaiserreich seit Ende des 19. Jahrhunderts, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus, der Nachkriegszeit sowie auf Einzelinformationen zur BRD und zur DDR bis in die 1980er-Jahre.

Kostenfreie Bestellung der 64-seitigen Broschüre bei BroschuerenLADS@SenJustVA.Berlin.de, Tel. 9028 1876.

Online: http://www.berlin.de/sen/lads/_assets/schwerpunkte/lsbti/materialien/schriftenreihe/archivleitfaden_lsbti_geschichte.pdf

Der vorliegende Leitfaden für Archive und Bibliotheken wurde in Zusammenarbeit mit Archivar_innen, Bibliothekar_innen, Wissenschaftler_innen und Geschichtsaktivist_innen entwickelt. Die Handreichung zielt auf eine Sensibilisierung für und Identifikation von Quellen mit Inhalten aus der Geschichte von LSBTI seit Ende des 19. Jahrhunderts bis Anfang der 1970er-Jahre und damit auch von Geschlechterunterschieden in der Historie. Die frühen 1970er-Jahren stehen einerseits für den Beginn der Neuen Frauen-, der Lesben- und Schwulenbewegung in der BRD und andererseits für die erste kollektive Organisierung von Lesben und Schwulen in der DDR.

Die zeitlichen und staatlichen Schwerpunkte dieser Handreichung liegen auf dem Deutschen Kaiserreich seit Ende des 19. Jahrhunderts, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus, der Nachkriegszeit sowie auf Einzelinformationen zur BRD und zur DDR bis in die 1980er-Jahre.

Sie finden in dieser Publikation Hinweise, die helfen sollen einzuschätzen, ob vorliegende Quellen möglicherweise relevant sind für die Geschichte von LSBTI. Die Informationen können hilfreich sein bei der Erschließung von Beständen, bei der Überarbeitung von Altfindmitteln unter neuer Perspektive, für interne und externe Forschung oder wenn einzelne Bestände neu befragt werden (Erarbeitung von thematischen Quellennachweisen und -inventaren). Des Weiteren kann der Leitfaden in der Beratung von Wissenschaftler_innen, Studierenden und Personen, die in der (historisch-)politischen Bildungsarbeit tätig sind, sowie von Journalist_innen eingesetzt werden.

Informationen und Sensibilisierung für LSBTI-Geschichte sind auch wichtig, wenn es um die Bewertung von behördlichem Schriftgut (z. B. der Zivil- und Strafgerichtsbarkeit oder des Sozialwesens), von sogenannten Krankenakten oder von Nachlässen und Sammlungsgut geht. An einigen Stellen sind daher die Hinweise für Archivar_innen bzw. Bibliothekar_innen und für Forscher_innen separat aufgeführt.

Mit dieser Broschüre können zudem (kostenneutrale) Maßnahmen angestoßen werden, die v. a. auf Reflektieren und Umdenken basieren, die auf bestehender Archivarbeit aufbauen oder diese ergänzen und die staatliche, konfessionsgebundene und andere öffentliche Archivarbeit für eine demokratisch-plurale Gesellschaft unterstützen.

In dem Leitfaden wird immer wieder auf fehlende Forschung hingewiesen. Diese teilweise sehr großen Leerstellen sind auf die kaum ausgeprägte infrastrukturelle Verankerung von LSBTI-Geschichte an bundesdeutschen Hochschulen zurückzuführen, was wiederum ebenfalls eine Folge gesellschaftlicher Marginalisierung und Diskriminierung von LSBTI ist. Ausschnitte dieser Prozesse werden im Folgenden aus aktueller und historischer Perspektive skizziert.

 

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